Nordlicht – Die Tote im Küstenfeuer

Das deutsch-dänische Ermittlerteam muss wieder ran. Bei den St.-Hans-Feuern an der dänischen Ostseeküste gab es ein Feuer zu viel und eine Leiche obendrein.

Vibeke ist eine toughe, distanzierte Flensburger Kommissarin. Sie wird ziemlich schnell in den Fall der dänischen Polizei integriert, nachdem klar wird, dass die Tote eine deutsche Gastschülerin ist. Das wirklich tolle an diesem Buch ist, dass man wirklich nicht vorhersehen kann, wer der Täter ist und aus welchem Milieu er stammt. Es gibt einige, die in Frage kommen. Inhaltlich dreht sich nicht nur alles um die Ermittlungen. Auch die Bewohner des Dorfes lernt man gut kennen und einschätzen. Dazu kommt noch die türkisch-deutsche Patchworkfamilie des Opfers, die mit schwierigen Familienverhältnissen aufwartet und noch so einigem mehr. Auch Kinder und Jugendliche mischen mit. Zu Anfang wird der Ort noch typisch „hygge“, dänische Leichtigkeit scheint weit verbreitet. Nach und nach zeigt sich, dass die Autorin ihre Figuren sehr gut ausgearbeitet hat und sie vielschichtiger sind als gedacht.

Ein gut zu lesender Krimi. Trotz der Figuren und der gut erzählten Handlung ist er zwar spannend, aber doch eher ruhig.

Anette Hinrichs (2021): Nordlicht – Die Tote im Küstenfeuer, blanvalet Verlag
Ich bedanke mich für das Leseexemplar beim Verlag

Klaras Schweigen

Klaras Schweigen, Cover

Bettina Stork schreibt regelmäßig Romane, die ich „in einem Zug“ auslese. So auch bei diesem hier. Eigentlich wollte ich zum Feierabend nur einige Seiten lesen, daraus wurde nichts. Ich las das Buch an einem Abend durch.

St. Malo war mal ein Piratennest, Konstanz wurde wegen der Nähe zur Schweiz im 2. Weltkrieg von Bomben verschont während die Freiburger Altstadt reichlich zerstört wurde. Dies und einiges mehr lernt man beim Lesen. In zwei Handlungssträngen, der eine spielt in den 1950-er Jahren und der andere in der Gegenwart, lernt man das Leben junger Frauen kennen. Dank der ausgewählten Zeiten kommt man nicht umhin, die Unterschiede festzustellen. Klara ist die ältere. Sie ist die Großtante von Miriam und bekommt zum Anfang des Romans einen Schlaganfall. Sie erholt sich zwar davon, spricht, als sie erwacht, allerdings französisch und hat offensichtlich etwas auf dem Herzen. Was dann folgt, ist eine Spurensuche nach dem Großvater von Miriam. Miriam sucht und findet in Unterstützung an unterschiedlichen Stellen. Zwischendurch gibt es Rückblenden in die 1950-er Jahre. Dabei arbeitet Klara in einem französischen Economat – Lebensmittelgeschäft – in Freiburg, verliebt sich in einen Soldaten und erwartet irgendwann ein Kind.

Klaras Geheimnis – ist vielschichtig
Klara zog Miriam auf, weil deren Eltern früh verstorben sind. Das Wie und Warum klärt sich zum Ende. Ebenso wird klar: Jeder Mensch hat Geheimnisse und gibt sie aus unterschiedlichen Gründen preis oder nicht. Jede Generation hat ihr Päckchen zu tragen. Im Falle Klara war es, dass ihre Tochter unehelich zu Welt kam, was damals als Stigma galt. Allerdings fand sich bei Klara eine schnelle und gute Lösung. Miriam wiederum stößt bei ihren Recherchen auf so einiges, was ihr sauer aufstößt und auch auf einiges, was sie fasziniert. Auch die Großtante trägt zum Lüften von Klaras Geheimnis einiges bei. Und auch hier wird klar: was man als Kind faszinierend fand, bleibt oft jahrzehntelang hängen, auch, wenn man diese ganzen Jahre über nicht mehr daran denkt. Manches findet den Weg der Wahrheit.

Hervorragen verfasst und so logisch und wunderbar aufeinander aufbauend miteinander verwoben, dass ich nur weiterlesen mochte. Ich wollte wissen, wie das Knäuel sich entwirrt und was noch dabei herauskommen würde. Nicht alles könnte genauso passieren, oder doch?

Bettina Storks (2021): Klaras Schweigen, Diana Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

Das Lied der Nacht

Cover Lied der Nacht

Es ist der erste Band der neuen Trilogie der „Wayfarer Saga“ und er ist fulminant fantastisch!

Das Lied der Nacht – der Rote Faden

Schatten greifen nachts ganze Dörfer und Städte an, vernichten sie und schlucken vorher die Nacht. Tagsüber gehen die Bewohner des Kontinents Erebru ihren Tätigkeiten nach. Bei Anbruch der Dunkelheit verschanzen sie sich in ihren Mauern. Sie zünden kein Licht mehr an und singen nicht. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen werden viele von den Schatten vernichtet. Ein Trüppchen Weitgereiste trifft sich jährlich in einem Haus im Wald. Darunter eine Bardin und einer, der jeden Weg gehen kann. Im Kampf gegen die Schatten werden sie in zahlreiche Abenteuer verwickelt. Ziemlich schnell, stellen die Gefährten fest, was gegen die Schatten hilft. Das Wie – darum geht es unter anderem.

Bildgewaltig & Anziehend
Der Schreibstil ist ziemlich außergewöhnlich. Es gibt zwar mehrere Handlungsstränge, aber derart gut miteinander verwoben, dass sich keine – gar keine! – inhaltlichen Wiederholungen ergeben. Obwohl die Geschichte oft innerhalb eines Kapitels und mehrerer Sätze zwischen unterschiedlichen Personen und Orten hin und her hüpft. Stets so, dass man als Lesende umfassend im Bilde ist. Sehr, sehr gut und nur auf den ersten Seiten gewöhnungsbedürftig.
Die Geschichte zog mich sofort in ihren Bann. Es beginnt blutig und kämpfend, bleibt aber nicht die ganze Zeit so. Es ist High-Fantasy, keine Dark-Fantasy. Der ganze Roman wirkt, wie eine Hommage an Toliens Herr der Ringe. Die Gefährten bestehen aus sehr unterschiedlichen Wesen, jede/r für sich besitzt besondere Fähigkeiten. Einige tragen Geheimnisse mit sich herum. Jede/r von ihnen und den anderen Hauptakteuren wird so gut vorgestellt, dass man sich ihn oder sie und ihre Handlungsweisen gut vorstellen kann. Und es kommen im Laufe der Geschichte weitere hinzu. Auch Bösewichte gibt es und bei einigen Befehlen des Barons bildete sich beim Lesen eine Gänsehaut.

Dieser erste Band bietet Suchtpotential und ich bin höchst gespannt darauf, wie es (im Juli) weiter geht 🙂

C. E. Bernard (2021): Das Lied der Nacht, Penhaligon Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!