Abenteuer: Die Gabe des Himmels

Auch der vierte Roman rund um St. Jacques-des-Varennes und die Familie Fleury ist eine Wucht. Anschaulich und spannend geht es jetzt im 13. Jahrhundert weiter, man erlebt die Auswirkungen der Pest samt Flagellanten und Antisemitismus ebenso lebendig mit wie den oft haarsträubenden Aberglauben. Fiese Bösewichte und liebenswerte Haudegen sind ebenso mit von der Partie als auch gut eingeflochtene historische Zusammenhänge. Dazu eine gute Geschichte, ein Sofa oder Liegestuhl in der Sonne, und dem Schmökern steht nichts im Weg.

Wolf hat gut recherchiert und beschreibt das öffentliche Leben um 1346 in einer mittelalterlichen Stadt hervorragend: wie die Zünfte sich organisierten, wie das Rechtswesen funktionierte, den Unterschied zwischen akademischen Doktor und handwerklichem Chirurg ebenso wie das jüdische Leben im Getto. Hochspannend und kein bisschen langweilig vermengt Wolf seine Zutaten und lässt über 900 Seiten Schmöker entstehen.

Daniel Wolf (2018): Die Gabe des Himmels, Goldmann Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

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Reiselustig: Sterne über dem Meer

Im Prinzip sind es drei Erzählstränge und eine „richtige“ Geschichte. Letztere erzählt die Geschichte einer Waise, die ihre Mutter sucht und findet und vor allem, die Findigkeit mit der sie ihren Weg geht. Resolut und smart tut die Figur Agnes das in ihren Augen in dem Moment Richtige. Das dabei manchmal falsche Entscheidungen und Wege entstehen, ist so gut wie klar. Gerade dadurch und weil die Autorin ihrer Figur kein Korsett vorgibt, liest sich dieser Erzählstrang flüssig und geschmeidig. Weiterlesen


Bewegend: Das geheime Lächeln

Zwei Länder, eine Familie, zwei Sprachen, geschichtliche Zusammenhänge und dazu eine lichtvolle Landschaft – daraus mischt Bettina Storks eine Familiengeschichte, die mich nicht so schnell aus ihren Fängen ließ. Es fängt alles mit dem Kauf eines Gemäldes und Wissbegierde an. Daraus entwickelt sich schnell ein Roter Faden, der wie zu einem Knäuel langsam aufgewickelt wird und dabei immer mehr Erkenntnisse bringt. Die drei Menschen, auf die es hier ankommt,werden nicht als Typen sondern als Charaktere dargestellt. Das ist eine Besonderheit. Zudem schreibt Storks so hervorragend flüssig und bewegend, dass man sich sowohl die Akteure als auch die Gegenden sehr gut vor dem inneren Auge vorstellen kann. Das Luberon ebenso wie das Quartier Latin als auch das Haus in den Hügeln und seine Einrichtung. Dabei erzählt die Autorin weder detailliert noch langatmig, es bleibt alles wunderbar in Schwung.

Guter Schmöker für Sonnenliege und Regen-Sofa-Tage 🙂

Bettina Storks (2018): Das geheime Lächeln, Diana Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Das Haus der Seidenblüten

Ein historischer Roman zur Zeit, als die Hugenotten in Frankfreich verfolgt wurden. Die Geschichte spielt in London und zeigt die Probleme der geflohenen Seidenweber in England auf. Das betrifft sowohl Ressentiments gegen Franzosen in England im Allgemeinen als  in einer Zeit als die Gesellschaft sich im Umbruch befindet. Tuchhändler versuchen Zölle zu umgehen, Moden wechseln, Seidenweber sind gefragt, leben dennoch in prekären Verhältnissen und die Monarchie erhält gerade frischen Wind aus Deutschland. Vieles davon vermischt die Autorin in ihrer Geschichte und zeigt die Besonderheiten dieser Lebenswelten in London auf.

Liz Trenow hat nicht nur gut recherchiert und geschichtliche Ereignisse eingebunden, sie flocht eine zarte Liebesgeschichte um eine Webergesellen und eine höher gestellte Dame ein. Letztere wiederum gehen die gesellschaftlichen Bestimmung an die Damenwelt gehörig auf die Nerven, wodurch sich so manch amüsante Episode gestaltet. Ich fand die Geschichte an sich sehr lebendig, auch wenn einige Handlungen etwas lange vor sich hin plätschern.

Etwas mehr Spannung und ein weniger schnelles Ende hätten dem Roman gut getan. Dennoch ist er gut geschrieben und lieferte Ablenkung für einen angenehmen Nachmittag!

LIZ TRENOW (2018): Das Haus der Seidenblüten, Blanvalet Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!


Ein Sommer, ein ganzes Leben

Sie trauert seit neun Jahren und er will niemandem privat zu Last fallen. Dabei stehen beide fest im Leben und sind jeder für sich liebenswerte Gestalten, die sich langsam annähern. Es ist eine Liebesgeschichte und auch wieder nicht. Es geht um Neuanfänge und Hoffnungen, darum, auch mal schwach sein zu dürfen, wenn man immer der oder die Starke sein muss. Muss man?

Feiner Roman, der tiefsinnig auch mal einen Rollstuhlfahrer Weiterlesen