Marlenes Geheimnis

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und man merkt vielen ihrer Titel an, dass sie Hintergründe zu ihren Geschichten sehr genau recherchiert. So auch hier: Krieg und Vertreibung, Liebe in unsteter Zeit, vor über 70 Jahren und heute. Dinge, die Kinder sehen, die niemand egal welchen Alters sehen will und sollte. Dazu zwei ungeheuer gut verfasste Erzählstränge über Großmutter und Enkelin. Denn was erstere erlebte, greift noch in die übernächste Generation über. Viel wird erzählt über große Not, Mut zu handeln, humanitäre Hilfe untereinander, dem Drang manches unter den sprichwörtlichen Teppich zu kehren und dadurch eine andere Art von Elend und Missverständnissen auszulösen.

Sehr, sehr lesenswert! Gerade, aber nicht nur, in Zeiten wie diesen.

RIEBE, B. (2017): Marlenes Geheimnis, Diana Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

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Möge die Stunde kommen

Auch der sechste Band der Clifton-Saga schließt sich nahtlos an die vorherige Geschichte an. Ich habe sicherheitshalber den fünften Band noch einmal gelesen, er endete mit einem Cliffhanger. Dieses Buch ist übrigens auch noch nicht das letzte, zu viele Fäden bleiben am Ende unverknotet 🙂 Jeffrey Archer enttäuscht seine „Clifton-Leser“ nicht. Der Roman nimmt – auch wie gewohnt – schnell die losen Fäden wieder auf, Spannungsbögen sind wohl gesetzt und es kommt niemals Langeweile auf. Nach zwei Tagen hatte ich das Buch ausgelesen und bin schon wieder gespannt auf den nächsten Band. Immerhin gibt es dieses Mal keinen derartig fiesen Hänger.

Archer wartet mit vielen Dramen auf, viel Spannung, viel Liebe und familiären Zusammenhalt – das alles auf mehreren Ebenen in zwei Erzählsträngen, die sich locker immer wieder abwechseln. Neue Intrigen und alte Bekannte tauchen auf, werden gut in die Geschichte eingeflochten. Wunderbar dicht geschrieben.

ARCHER, J. (2017): Möge die Stunde kommen, Heyne Verlag


Wir sehen alle denselben Mond

Biggi Mestmäcker engagiert sich für Geflüchtete und hat im letzten Jahr mit viel Herzblut dafür gesorgt, dass Frau und Sohn eines befreundeten Syrers nachziehen konnten. Der Bericht ist beileibe nicht rührselig geschrieben, aber er rührt an. Die professionelle Texterin dokumentierte ihre Mitwirkung, und wie die Zusammenführung sich abspielte. detailliert und sachlich. Dennoch mit der richtigen Distanz. Alleine diese Leistung finde ich bewundernswert.

Dokumentation über eine schicksalsbedingte Krise

Ihr Bericht schildert eine unglaubliche Geschichte. Ich denke, die meisten Menschen, die in friedlichen Ländern leben, können sich nicht vorstellen, was es bedeutet, eine Familie in Kriegszeiten zusammenzuführen. Genau dies hat Mestmäcker gegen viele Widrigkeiten geschafft. Wer die „Flüchtlingskrise“ verstehen möchte – vor allem aus Sicht von jemanden, der wirklich eine Krise als Geflüchteter erlebt und Angst um seine in der Heimat gebliebene Familie hatte, sollte dieses Buch lesen. Es liest sich schnell durch, denn man kann es gar nicht zur Seite legen. So abenteuerlich und ehrlich ist es verfasst.
Und beim Lesen musste ich an Geschichten von einigen Verwandten denken, die den zweiten Weltkrieg auf dem Land erlebten. Auch sie erzählten ähnliche Geschichten, die sich während des Krieges und noch bis in die Mitte der 1950-er Jahre zutrugen. So lange ist das noch nicht her. Hierzulande denken wir an Flüchtlingskrise, weil so viele – gefühlt viele – Menschen aus tatsächlichen Krisengebieten nach Deutschland flüchten und einige Einwohner mit ihren Verhaltensweisen oder sogar ihrer Hautfarbe aus ihrer Komfortzone reißen. Die eigentliche Krise ist woanders und zieht viele schicksalsbedingte Krisen hinter sich her.

Herausgekommen ist ein Buch in deutscher und arabischer Sprache, ordentlich lektoriert und zweisprachig. Denn das Thema Familienzusammenführung dürfte viele interessieren, deren Deutsch noch nicht ausgereift genug ist, ein ganzes Buch lockerleicht mal eben schnell zu lesen.

MESTMÄCKER, B. (2017): Wir sehen alle denselben Mond, gegen alle Widerstände Familiennachzug aus Syrien, ein Bericht, tredition Verlag
Website zum Buch & Kaufmöglichkeit

 


Harmony – Ein Pferd für immer

Ein einfach zu lesendes und flüssigleicht erzähltes Buch, das sich rund um das „Natural Horsemanship“ dreht. Diese Trainingsmethode ist einwandfrei erklärt und so gut in die Geschichte integriert, dass man einfach weiterlesen muss. Zwar ein Roman für Jugendliche, aber einer, der tiefer blicken lässt und anhand der Figur der Jennifer aufzeigt, was im Umkreis einer Großstadt alles an Unterbringungen für Pferde angeboten wird. Und auch, dass Jugendliche manchmal dazu neigen ein wenig zu selbstständig agieren zu wollen, sich dabei zu viel aufbürden und Perfektionismus nicht das Hauptziel sein muss. Auch die geschiedenen Eltern der Figur lernen dazu.

Etwas heikel finde ich die Beschreibung eines so genannten Tier-Geistheilers, eines Tierheilpraktikers der mit dem betreffenden, kranken Pferd über Kilometer kommunizieren kann ohne das sich beide je begegnet wären. Wirkte allerdings nur auf mich seltsam, der reitende Sohn eines Freundes fand das Buch ganz wunderbar, eben wegen solcher mystischen Sperenzchen 🙂

Gut geschrieben, spannend und locker erzählt! Die letzten Buchseiten beinhalten ein Glossar der reiterlichen Fachbegriffe.

 

MEYER-KAHLEN, A. (2017): Harmony – Ein Pferd für immer, cbj
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Unsere Jahre in Miller’s Valley – sehr warmherzig!

Die Autorin beschreibt anhand der Jugendlichen Mimi, welche Gefühle und welcher Tatendrang entstehen kann, wenn der Ort an dem man aufwächst, geflutet werden soll. Das Tal, in dem die Kleinstadt und die Farm von Mimis Familie liegt, soll zu einem Stausee werden. Es dauert einige Jahre bis es schlussendlich soweit ist. Sehr gut finde ich, dass die Akteure intensiv vor- und dargestellt werden. Man kann sich ihre Handlungsweise und Denkart gut vorstellen und auch, wie es vor Ort aussehen mag. Ein Tal mit Flusslauf, sumpfigen Auen und Weideland ebenso die steilen Felsschluchten.

Mit Tiefgang und flüssig zu lesen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch an einem sonnigen Nachmittag durchgelesen. Es fesselt nicht unbedingt vom ersten Kapitel an, aber es wird und zog mich als Leserin quasi in die Geschichte hinein. Flüssig und spannend erzählt. Auch klar wird, was Heimat sein kann und das es für jeden etwas anderes ist.

QUINDLAN, A. (2017): Unsere Jahre in Miller’s Valley, Deutsche Verlagsanstalt
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!