Weitschweifig: Das verborgene Spiel

Ein Roman der passend zu Shakespeares Dramen wie ein Theaterstück aufgebaut ist: Fünf in Szenen unterteilte Akte denen jeweils ein Prolog voran gestellt ist. Der Prolog führt den Dialog eines gerade entlassenen ehemaligen Studenten und des Polizisten, dem damals die Aufklärung des Mordes oblag, an. Denn der Kommissar glaubt nicht an die Schuld dieses Täters.
Die Akte selbst handeln von der Geschichte dahinter: sieben Studenten, die sich vorrangig mit Shakespeare beschäftigen, miteinander befreundet sind und auch untereinander konkurrieren. In ihre normalen Unterhaltungen fließen ständig Zitate aus Dramen des englischen Autors ein.

Wer „König Lear“, „Macbeth“ oder „Julius Cäsar“ gut im Kopf hat, wird sehr wahrscheinlich eher ein Vergnügen beim Lesen empfinden. Bei mir sind alle drei Stücke schon ein wenig verrostet 😉 und mir gingen die ständigen Zitate in den Dialogen gewaltig auf die Nerven. Dabei ist der Krimi durchaus spannend. Gerät jedoch gerade durch die shakespeareschen Erweiterungen gehörig weitschweifig. Ein wenig Straffung hier und da hätte der Geschichte gut getan. Mir fehlte ein ungestörter Lesefluss mit wenigen Zitaten und mehr Beschreibungen der einzelnen Akteure, um zu verstehen, wer wie warum handelt.

M. L. Rio (2017): Das verborgene Spiel, Penguin Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

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Langatmig: Die Zeit der Rose

Im viktorianischen Zeitalter handelnd, kommt dieser Roman wenig aussagekräftig daher. Ein wenig wie ein „Rosamunde-Pilcher-Film“ 😉 mit vielen Beschreibungen der Landschaft und der Familienverhältnisse. Im ersten Drittel liest sich das Eintauchen in den Alltag der Akteure noch vielversprechend. Leider wird es ab der Buchmitte immer merkwürdiger und unrealistischer, der Rote Faden bricht teilweise ab. So fehlen sowohl geschichtliche Hintergründe zum – in diesem Fall – Bau von Eisenbahnen in England als auch wie die Menschen darauf reagierten – gerade in eher sehr ländlich geprägten Gebieten. Dagegen steht eine adlige, junge Frau, die gerne etwas mehr als nur Tee trinken, Charity-Veranstaltungen organisieren und sticken möchte. Sie wirkt zu Beginn noch vielversprechend und etwas forsch. Später passen ihre Aktionen überhaupt nicht mehr ins Bild.

Sehr zäh und leider enttäuschend.

Heather Cooper (2017): Die Zeit der Rose, Goldmann Verlag

Ich bedanke mich für das Leseexemplar!


Auftakt: Das Gutshaus – glanzvolle Zeiten

Wie schon die Saga um die Dynastie der Bewohner der „Tuchvilla“ ist auch dieses Buch der Auftakt zu einer neuen Serie von Anna Jacobs. Zwei Erzählstränge lotsen den Leser durch die Wirren der 1940-er und 1990-er Jahre. Einmal durch den Verlust des Gutes, einmal durch die Wiedererlangung des alten Besitzes durch die Erben nach dem Mauerfall. Was erstmal nicht so glücklich gewählt klingt, wirkt sich beim Lesen deutlich harmonischer aus. Denn Anne Jacobs zeigt die Parallelen beider Zeiten auf und darüber hinaus lässt sie ihre Figuren in die Tiefe gehen.

Ja, ein tiefgründiger Unterhaltungsroman, einer bei dem man als Leser etwas lernen kann. Solche Romane sind mir die Liebsten, nicht nur spannend und gut geschrieben sondern auch etwas zum geistigen Mitnehmen und Wiederverwerten dabei. Ein belletristisches Überraschungsei sozusagen, ein richtig guter Schmöker!

JACOBS, A. (2017): Das Gutshaus – glanzvolle Zeiten, Bd. 1, blanvalet Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!


Schneereich, weihnachtlich: Winterhochzeit

Der dritte Band rund um Familie Quinn ist erschienen und er ist genauso heimelig-wunderbar wie die ersten beiden Bände. Man kann ihn – genau wie seine Vorgänger – auch einzeln bestimmt gut verstehen. Zusammenhängend allerdings – na, Sie wissen schon!

Diese große Familie hat mal wieder hausgemachte und andere Herausforderungen zu bestehen, zankt sich und hält doch zusammen. Zumindest, wenn es ganz dick kommt. Wie in den vorangegangenen Romanen befleißigt Elin Hilderbrand sich einer lockeren Schreibweise und sorgt dafür, dass man zur Gänze in die Geschichte eintauchen kann. Weiterlesen


Amüsant: Der Buchliebhaber

Ein moderner Krimi mit historischen Elementen samt einigenrLängen durch zu detaillierte Beschreibungen, unter anderem der beschriebenen Kathedrale von Barchester. Aber vornehmlich ein historischer Roman mit viel Abenteuerflair, Büchern, Geschichte rund um König Artus und seine Runde sowie einer weiteren Sage. Das Ganze, gut miteinander verquickt, spielt sich weitestgehend in einer Bibliothek ab, die bisher den Zug in die Moderne verpasst hat. Die Moderne ist übrigens das Heute.

Ein verstaubt wirkender Leser und eine quirlige junge Frau mit Hang zur Technik sind die Hauptfiguren. Sie verhalten sich gegensätzlich und ihre Dialoge sind, so wie Charlie Lovett sie angelegt hat, höchst ergötzlich. Ein Schlagabtausch folgt gewitzt dem nächsten, nebenbei kommt der Krimi gut in Gang. Mit Würze und einigen Längen an den Anfängen der Kapitel, die sich allerdings locker überschlagen lassen und dem eigentlichen Roman keinerlei Mißtöne entlocken.

 

LOVETT, C. (2017): Der Buchliebhaber, Goldmann Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!