Schlagwort-Archive: Unterhaltung

Ismaels Orangen

043_0516_159438_mClaire Hajaj schaffte den Spagat eine Familiengeschichte so zu schreiben, dass die gesellschaftlichen Gräben zwischen Juden und Briten sowie vor allem Juden und Arabern zwischen den 1960-er und 1980-er Jahren deutlich zu erkennen sind sowie die Probleme samt möglicher Bewältigungsstrategien innerhalb einer Familie.

Judith ist Jüdin, ihre Eltern flohen aus Nazi-Deutschland nach England und sie geht dort Anfang der 1960-er Jahre zur Schule. Sie möchte gerne zu den anderen gehören, fühlt sich von der Sonntagsschule und vor allem dem Hebräischunterricht behindert. Denn sonntags finden die Schwimmwettkämpfe statt, an denen sie liebend gern teilnehmen würde. Dazu sieht sie sich als Britin und glaubt als solche in ihrem Freundeskreis angenommen zu werden. Bis sie zu einer Party bei ihrer besten Freundin geht. Dort steht ein Schild vor dem Eingang „Zutritt nicht für Juden“. Zuhause erfährt sie Trost und Erkenntnisse durch die Erzählungen ihrer Oma, aus denen sie Kraft zieht.  Weiterlesen

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Das Wunder des Pfirsichgartens

Zwei junge und zwei alte Frauen, zwei Männer, eine amerikanische Kleinstadt, ein gesellschaftliches Ereignis (nun ja, es sollte ursprünglich eins werden) und etwas Mystik (ganz am Rande). Sarah Addison beschreibt mit leichter Hand, Esprit und Witz die Sorgen und das Wirken zweier sehr unterschiedlicher junger Frauen, die sich noch aus der Schule kennen und irgendwie nicht besonders mögen. Aber doch gut zueinander passen, der Umstände halber aufeinander zu gehen und schließlich ihr Glück finden. Ja, es ist ein Roman mit Happy End 😉 Am Ende wird es leicht dramatisch und die beiden Großmütter, die eine dement und die andere bissig-klar, kommen samt einer uralten Geschichte mit in´s Boot. Wodurch das angepeilte gesellschaftliche Ereignis doch nun wirklich ein Ereignis wird – allerdings anders als geplant. Wie das Lebens eben so spielt.

Der Roman ist eine zauberhafte Geschichte, bei der es weniger um die Inhalte geht als um das Zusammenwirken vieler Details und um das Schließen von Freundschaften. Ähm, ja, die Liebe wurde kräftig mit hineingewoben und das Buch ist alles andere als ein Liebesroman! Herrlicher Sommerschmöker!

ADDISON ALLEN, S. (2015): Das Wunder des Pfirsichgartens, Goldmann Verlag

Der Zitronengarten

Der Inhalt spielt in Frankfurt am Main und Sizilien um 1764 herum. Eine der beiden Hauptakteurinnen erlebt bei einer Testamentseröffnung einen Schock nach dem anderen. Unter anderem erbt sie die Mühle, die sie so sehr liebt, nicht allein sondern zusammen mit ihrer noch unbekannten Halbschwester von der sie erst beim Notar erfährt. Es gibt sowohl schon in den ersten Seiten interessante Wendungen und Einblicke in das Leben der Familien, die sowohl in Deutschland als auch auf Sardinien und Sizilien ihre Wurzeln hat und sehr umtriebig war beziehungsweise ist. So erbt auch nicht die Witwe das gemeinsam aufgebaute Familienunternehmen sondern der verschollene Bruder während der auf Sizilien lebende Onkel das Frankfurter Unternehmen betreuen soll.  Weiterlesen

Das Kurtisanenhaus

Amy Tan ist Bestsellerautorin und brachte wieder einen Roman heraus. Den ich dieses Mal zweimal gelesen habe. Die deutsche Übersetzung hat mich sehr überrascht, denn das Buch las sich eintönig, langweilig und sehr gesetzt. Das amerikanische Original „Valley of Amazement“ hingegen war äußerst lesenswert und brachte viele interessante Informationen sowohl zur damaligen Zeitgeschichte als auch gesellschaftskritisch. Die Originalausgabe schließt an ihre alten Erfolgsromane an. Der deutsche Titel wirkt so, als wäre die Autorin auf eine alten Zug aufgesprungen und hätte versagt. Dem Übersetzer sollte man den Hintern versohlen… (gedacht) Weiterlesen