Wie der Wind und das Meer

Eine kleine Notlüge am Anfang setzt ein ganzes Kartenhaus in Gang. Und zerstört fast zwei Leben am Ende. Dieser Streifzug durch die deutsche Geschichte unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg ist ungemein spannend und anschaulich erzählt. Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und die Entwicklungen der 1960-er Jahre besonders um Münschen herum gewirt. So entspinnt sich aus der Notlüge ein Faden, der zusammen mit den Einflüssen der handelnden Figuren, der gesellschaftlichen Zwänge und des Chaos ein ganz spezielles Netz spinnt. Eins, dass wie ein Spinnennetz klebt. Etwas bleibt immer zurück und etwas haftet weiter an den lügenden Personen. Die im Übrigen so gearbeitet sind, dass man automatisch mit ihnen mitfühlt und das Beste für sie erhofft. Weiterlesen

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Wir sind die Guten

Was zu Beginn etwas verwirrend und langatmig wirkt, entpuppt sich spätestens nach drei Kapiteln als vergnügliche Geschichte und ab dem zweiten Viertel als handfester Krimi. Verwirrend sind vor allem die vielen Namen und Details, die Heldt ihren Lesern am Anfang zumutet. Nicht alle sind wirklich nötig, um die Geschichte zu begreifen. Das Durchhalten lohnt sich jedoch. Denn der Krimi entpuppt sich so nach und nach. Vergnügen und gelegentliche Lacher inbegriffen, denn die rüstige Rentnergruppe besteht aus Akteuren, wie man sie in vielen Familien findet. Die Autorin arbeitete das Witzige daran heraus, wohlwissend, wie nervig manche Allüren im wirklichen Leben für die Angehörigen sind. Neben dieser Truppe verblasst die „echte“ Polizei ein wenig. Beide Fälle sind spannend und man knobelt automatisch mit.

Wer witzige Krimis mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Der Fall ist nicht ohne, auch das stellt sich immer mehr heraus. Und am Ende ist man als Leser doch über einige gefühlt zuviele Details vom Anfang froh.

HELDT, D. (2017): Wir sind die Guten, dtv Verlag

Ich bedanke mich für das Leseexemplar beim Verlag!


Sauna mit Nachbar

Ein Buch, in dem nur die Nachbarin am Ende mit ihrem Vornamen genannt wird. Die beiden Herren, ein Geschichtslehrer, der seine Ferien genießt und der dem Treiben seines Nachbarn im ländlichen Finnland in einer Art wohlschaudrigen Vergnügens beiwohnt. Manchmal hilft er ihm auch und denkt sich dabei das aus Sicht eines Ingenieurs passende dazu. Wohlwissend, es auszusprechen würde das Verhältnis zum Nachbarn und seiner wilden Bausucht arg stören. Weiterlesen


Frühlingsglück und Mandelküsse

Ein beschwingter, amüsanter Roman in der Welt der Patisserie eines Wiener Hotels. Emilia Schilling hat es geschafft, eine seichte Geschichte zu schreiben, die sowohl über Spannungsbögen an den richtigen Stellen als auch über ernste Untertöne und die passende Lockerheit verfügt. Ein wunderbares Gemisch, welches sich in einem Rutsch quasi auslesen lässt und immer amüsant ist. Weiterlesen


Altes Land

Die Suche der Großstädter nach der ländlichen Idylle im Alten Land trifft auf knorrige Bauern und eine unverwüstliche Zahnärztin. Aus Sicht der verschiedenen Typen und besonders der nach dem 2. Weltkrieg aus Pommern geflohenen, heutigen Ärztin im Ruhestand zeichnet die Autorin mal liebevoll, mal etwas garstig ein klares Bild zum Landleben. So, wie es ist und so, wie manche SUV-Fahrer es erwarten.

Ich habe beim Lesen oft geschmunzelt und an einigen Stellen sogar gekringelt vor Lachen. Weiterlesen