Neubeginn: Hortensiensommer

Ein schöner Roman spielt in Sommerhausen und Würzburg, passend zum dahin fließenden Main im Sinne von panta rhei und den steilen Weinbergen, engen Gassen und auch weiten Plätzen und Brücken. Die Orte sind gut gewählt und eignen sich perfekt für diesen Roman, der eben nicht nur heiter und typisch sommerlich dahinplätschernde Geschichte in sich birgt. Heiter auch, aber man merkt ziemlich rasch, dass die Hauptakteurin etwas in sich herumschleppt. Kein Geheimnis, denn ganz Sommerhausen scheint darüber im Bilde zu sein. Weiterlesen

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Ungewöhnlich: Der Samurai von Sevilla

Ich fand den historischen Roman sehr spannend, unter anderem aus dem Aspekt etwas Neues zu lernen. Das die Stadt Sendai im Mittelalter eine Delegation aus Samurai, japanischen Händlern und Missionaren ausgerechnet ins damals erzkatholische Spanien entsandte, war mir völlig neu. Wie es dazu kam und das einige Japaner sich dazu entschlossen in Spanien zu bleiben oder auch zwischen Japan und Sevilla weiterhin zu reisen, das erzählt John Healey anschaulich.

Eine Liebesgeschichte fehlt ebenso wenig wie gute Landschafts- und interkulturelle Erlebnisbeschreibungen. Das fängt bereits auf dem Schiff und mit den Strapazen der Reise an. Intrigen werden vielfach gesponnen, sowohl auf der Reise als auch in Spanien. Spannend sind auch die verschiedenen Herangehensweisen an die unterschiedlichen Kulturen sowohl seitens der japanischen als auch der spanischen Akteure sowie philosophische Gespräche und Ansichten. Zwei Welten prallen aufeinander und manch einer fühlt sich davon angezogen. Auch die Figuren sind keine reinen Typen, wie fast in jedem Roman. Einige sind Charaktere, sie begreifen, verändern ihre Haltung und „verhalten“ sich so, dass man sich direkt in ihre Denk- und Handlungsweise hineinversetzen kann.

Wer sich für historische Zusammenhänge und eher sachliche Ansichten erwärmen kann, wird in diesem Roman viel Interessantes auf gute Weise spannend lesen können! Für mich war es ein 1a-Schmöker 🙂

John J. Healey (2018): Der Samurai von Sevilla, Heyne

Beziehung Sevilla-Sendai (externer Link)


Abenteuer: Die Wolkenfrauen

Ich habe den Roman an einem Nachmittag durchgelesen. So spannend erzählt und so wenig schnulzig, wie irgend möglich. So nah an der Realität dran, so wenig ergreifend oder überspitzt erzählt. So gut beschriebene Akteure und ihre jeweiligen Vorerfahrungen im Leben. Sie wachsen teilweise über sich selbst hinaus, erleben Geschichten, wie nur in einem Roman möglich und doch so nah am realen Leben dran wie nötig. Man erfährt zudem viel über die Lebensverhältnisse von Nomaden, die zwar in Marrokko leben, dort aber nicht erwünscht sind und schon gar nicht ihr Leben als Nomaden aufrechterhalten sollen. Weiterlesen


Vielschichtig: Die Farbe von Winterkirschen

Eine tragische Familiengeschichte im fernen Japan, eingebettet in die Gegenwart und das atomare Trauma Hiroshimas. Anderes Denken, andere Kultur und damit teils völlig andere Werte und Weltanschauungen als in Europa. Die Autorin hilft ihren Lesern die japanische Handlungs- und Denkweise ihrer Figuren zu verstehen: Jedes Kapitel enthält einen kurzen Prolog dazu und man tut gut daran diesen jeweils zu lesen. Es ist kein leicht zu lesendes Buch, aber eins, dass sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt! Weiterlesen


Bis ans Ende meiner Wege

Anrührend und auf unaufgeregte Weise packend, erlebt man die fürchterliche Diagnose, die die Hauptfigur zu Anfang erhält, mit. Und auch, wie sich binnen weniger Stunden ihr Leben ändert und wozu sie sich entschließt. Das Tolle daran ist: so verwegen und verträumt sich einiges lesen mag, so realistisch wäre es, würde es tatsächlich passieren. Wenn man nur den Mut hat sich vom bisherigen Lebenswandel zu lösen und ihn spontan verändert. Weil man nur noch wenige Wochen zu leben hat.

Die Geschichte ist gut geschrieben, man kann sich die wenigen Figuren gut vor dem inneren Auge vorstellen. Warum sie genauso handeln und wie darum vieles ins Lot kommt. Fein ausgearbeitete Schilderungen wechseln sich mit klar angedeuteten Szenen ab. So wird es auch ohne Spannungsbögen nie langweilig.

Emilia Lint (2017): Bis ans Ende meiner Welt, Goldmann Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!