Vielschichtig: Die Farbe von Winterkirschen

Eine tragische Familiengeschichte im fernen Japan, eingebettet in die Gegenwart und das atomare Trauma Hiroshimas. Anderes Denken, andere Kultur und damit teils völlig andere Werte und Weltanschauungen als in Europa. Die Autorin hilft ihren Lesern die japanische Handlungs- und Denkweise ihrer Figuren zu verstehen: Jedes Kapitel enthält einen kurzen Prolog dazu und man tut gut daran diesen jeweils zu lesen. Es ist kein leicht zu lesendes Buch, aber eins, dass sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt! Weiterlesen

Advertisements


Bis ans Ende meiner Wege

Anrührend und auf unaufgeregte Weise packend, erlebt man die fürchterliche Diagnose, die die Hauptfigur zu Anfang erhält, mit. Und auch, wie sich binnen weniger Stunden ihr Leben ändert und wozu sie sich entschließt. Das Tolle daran ist: so verwegen und verträumt sich einiges lesen mag, so realistisch wäre es, würde es tatsächlich passieren. Wenn man nur den Mut hat sich vom bisherigen Lebenswandel zu lösen und ihn spontan verändert. Weil man nur noch wenige Wochen zu leben hat.

Die Geschichte ist gut geschrieben, man kann sich die wenigen Figuren gut vor dem inneren Auge vorstellen. Warum sie genauso handeln und wie darum vieles ins Lot kommt. Fein ausgearbeitete Schilderungen wechseln sich mit klar angedeuteten Szenen ab. So wird es auch ohne Spannungsbögen nie langweilig.

Emilia Lint (2017): Bis ans Ende meiner Welt, Goldmann Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

 


Rau: Das Fell des Bären

Eine Vater-Sohn-Geschichte, die den Traum ein Held zu sein zur Wahrheit werden lässt. Sie spielt in den Dolomiten der 1960-er Jahre. Wer sich mit Initiationen auskennt, wird die typischen Stationen einer klassischen Heldenreise beim Lesen entdeckt. Es gibt verschiedene Prüfungen und auch einen Helfer in Gestalt eines deutschen Eremiten, der in den italienischen Alpen lebt, es gibt den Tod und das Leben. Das alles in einer uralten Grenzregion, wo sich Österreicher, Südtiroler, Deutsche, Venezianer und Italiener treffen und mischen. In der Rituale, Aberglauben und Dorfdialekte gelebt und gesprochen werden. Wo man auch zusammenhält, wenn es denn sein muss.

Es dreht sich vordergründig um die Jagd Weiterlesen


Auftakt: Das Gutshaus – glanzvolle Zeiten

Wie schon die Saga um die Dynastie der Bewohner der „Tuchvilla“ ist auch dieses Buch der Auftakt zu einer neuen Serie von Anna Jacobs. Zwei Erzählstränge lotsen den Leser durch die Wirren der 1940-er und 1990-er Jahre. Einmal durch den Verlust des Gutes, einmal durch die Wiedererlangung des alten Besitzes durch die Erben nach dem Mauerfall. Was erstmal nicht so glücklich gewählt klingt, wirkt sich beim Lesen deutlich harmonischer aus. Denn Anne Jacobs zeigt die Parallelen beider Zeiten auf und darüber hinaus lässt sie ihre Figuren in die Tiefe gehen.

Ja, ein tiefgründiger Unterhaltungsroman, einer bei dem man als Leser etwas lernen kann. Solche Romane sind mir die Liebsten, nicht nur spannend und gut geschrieben sondern auch etwas zum geistigen Mitnehmen und Wiederverwerten dabei. Ein belletristisches Überraschungsei sozusagen, ein richtig guter Schmöker!

JACOBS, A. (2017): Das Gutshaus – glanzvolle Zeiten, Bd. 1, blanvalet Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!


Poetisch: Auf versunkenen Wegen

Es ist weder ein Roman noch ein Reisebericht, den der Wanderer Tesson vorlegt. Es ist mehr ein poetisch und philosophisch verfasstes Tagebuch, in dem er sich seiner Genesung und den Veränderungen seines Körpers stellt. Mal wandert er allein, mal mit Fremden ein Stück des Weges, mal mit seiner Schwester – immer auf alten Wegen quer durch Frankreich. Die Begegnungen mit sich selbst sind gut beschrieben und so, dass man sich viel dazu vorstellen kann: Wie es vor Ort aussah, welch ein Leben er vorher lebte, wie andere leben. Denn auch in verlassenen Dörfern und Kapellen finden sich noch Menschen, die auf das Alleinsein Wert legen. So zieht Tesson seine Verbindungen zu anderen Ländern und Wanderungen.

Man kann gar nicht anders als immer weiter zu lesen.

SYLVAIN TESSON, 2017: Auf versunkenen Wegen, Knaus Verlag

Ich bedanke mich für das Rezensionsexemplar!