Neubeginn: Hortensiensommer

Ein schöner Roman spielt in Sommerhausen und Würzburg, passend zum dahin fließenden Main im Sinne von panta rhei und den steilen Weinbergen, engen Gassen und auch weiten Plätzen und Brücken. Die Orte sind gut gewählt und eignen sich perfekt für diesen Roman, der eben nicht nur heiter und typisch sommerlich dahinplätschernde Geschichte in sich birgt. Heiter auch, aber man merkt ziemlich rasch, dass die Hauptakteurin etwas in sich herumschleppt. Kein Geheimnis, denn ganz Sommerhausen scheint darüber im Bilde zu sein. Weiterlesen

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Zero waste kitchen

Ein kleines, feines Buch mit lauter Rezepten zur Reste-Küche. Einige kannte ich bereits, aber viele Rezeptideen sind neu und einige habe ich daraus ausprobiert. Die Salatsauce aus Kohlrabiblättern ist übrigens eine Wucht und schmeckt nicht zu Salat sondern auch zu Kartoffelbrei und Pellkartoffeln 🙂

Es geht darum möglichst viele Lebensmittel wohlschmeckend zu Gerichten zu verarbeiten. Dabei geht es vor allem um Gemüse- und Obstteile, die man gemeinhin wegwirft: Strünke von Salatköpfen und Brokkoli zum Beispiel, Apfel- und Birnenreste, auspressbare Bestandteile von Ananasfruchtfleisch am Schalenrand usw. Oder eben Blätter von Rüben, die oft Senföle oder andere wertvolle Stoffe besitzen. Viele leckere Rezepte und Ideen, auch zum Mitnehmen oder Naschen, um möglichst viel zu essen und wenig in den Müll wandern zu lassen!

VERONIKA PICHL (2018):Zero Waste Kitchen: Kochen statt wegwerfen – kreative Rezepte für Obst- und Gemüsereste, riva Verlag


Der Salatgarten: Anbau und Ernte

Salat lässt sich fast überall anbauen, sogar auf Balkonen und Dächern. Damit ist er eine wunderbare Pflanze für den Naschgarten auf kleinem Fuß. Welche Sorte sich wofür und worauf unter welchen Bedingungen eignet, darum geht es in diesem Buch. Es richtet sich ausdrücklich an Menschen ohne gärtnerische Erfahrungen. Es dreht sich nicht nur um die allseits bekannten Blattsalate sondern auch um als Salat geeignete Kräuter wie Kapuzinerkresse oder Zwiebelgewächse wie Porree, aber auch Wurzeln und Nachtschattengewächse wie Tomaten sind enthalten. Selbst Wildkräuter alias Unkraut. Weiterlesen


Ungewöhnlich: Der Samurai von Sevilla

Ich fand den historischen Roman sehr spannend, unter anderem aus dem Aspekt etwas Neues zu lernen. Das die Stadt Sendai im Mittelalter eine Delegation aus Samurai, japanischen Händlern und Missionaren ausgerechnet ins damals erzkatholische Spanien entsandte, war mir völlig neu. Wie es dazu kam und das einige Japaner sich dazu entschlossen in Spanien zu bleiben oder auch zwischen Japan und Sevilla weiterhin zu reisen, das erzählt John Healey anschaulich.

Eine Liebesgeschichte fehlt ebenso wenig wie gute Landschafts- und interkulturelle Erlebnisbeschreibungen. Das fängt bereits auf dem Schiff und mit den Strapazen der Reise an. Intrigen werden vielfach gesponnen, sowohl auf der Reise als auch in Spanien. Spannend sind auch die verschiedenen Herangehensweisen an die unterschiedlichen Kulturen sowohl seitens der japanischen als auch der spanischen Akteure sowie philosophische Gespräche und Ansichten. Zwei Welten prallen aufeinander und manch einer fühlt sich davon angezogen. Auch die Figuren sind keine reinen Typen, wie fast in jedem Roman. Einige sind Charaktere, sie begreifen, verändern ihre Haltung und „verhalten“ sich so, dass man sich direkt in ihre Denk- und Handlungsweise hineinversetzen kann.

Wer sich für historische Zusammenhänge und eher sachliche Ansichten erwärmen kann, wird in diesem Roman viel Interessantes auf gute Weise spannend lesen können! Für mich war es ein 1a-Schmöker 🙂

John J. Healey (2018): Der Samurai von Sevilla, Heyne

Beziehung Sevilla-Sendai (externer Link)


Turbulent: Mord im Badehaus

Der vierte Band rund um die Fährmannstochter in Mühlheim ist in sich abgeschlossen, aber irgendwie seltsam abgehackt. Gut, vergnüglich und wie gewohnt mit zahlreichen Frotzeleien versehen, dreht sich alles um Rittertum, Aufklärung zweier Fälle und das typische turbulente Hauswesen im und um das Fährmannshaus herum. Ein mit gut 350 Seiten kurzer Schmöker, der viele Fäden aus den vergangenen Bänden verknotet.

Wie immer dreht es sich nicht nur um die Geschichte an sich mit dem Mantel „Mittelalter“. Schacht verstand es hervorragend ihren historischen Romanen die Quintessenz ihrer Recherchen so zukommen zu lassen, dass man sich mitten im Geschehen dieser Zeit wähnt: Sprache, Namen, Redewendungen, spezieller Wortschatz – auch mal saftig-derber Natur. Und immer mit einer gehörigen Portion Witz und Grips.

Der Titel sollte eigentlich im November erscheinen, kam dann erst jetzt im Februar heraus. Im Schmutztitel steht, dass der „5. Band in Vorbereitung ist“. Möglicherweise hatte die im Oktober verstorbene Autorin für den letzten Band eine Art Vorsorge getroffen und wir können noch auf ihn hoffen.

Aber, falls es bei diesem 4. Band der Reihe bleiben sollte: Dranbleiben, es lohnt sich ihn zu lesen! .

ANDREA SCHACHT (2018): Mord im Badehaus, Fährmannstocher Bd. 4, Blanvalet Verlag
Ich bedanke mich herzlich für das Leseexemplar beim Verlag.

Möge Andrea Schacht in Frieden ruhen,
in dem Wissen vielen Lesern jede Menge Vergnügen mit ihren Büchern bereitet zu haben!