Wir sind die Guten

Was zu Beginn etwas verwirrend und langatmig wirkt, entpuppt sich spätestens nach drei Kapiteln als vergnügliche Geschichte und ab dem zweiten Viertel als handfester Krimi. Verwirrend sind vor allem die vielen Namen und Details, die Heldt ihren Lesern am Anfang zumutet. Nicht alle sind wirklich nötig, um die Geschichte zu begreifen. Das Durchhalten lohnt sich jedoch. Denn der Krimi entpuppt sich so nach und nach. Vergnügen und gelegentliche Lacher inbegriffen, denn die rüstige Rentnergruppe besteht aus Akteuren, wie man sie in vielen Familien findet. Die Autorin arbeitete das Witzige daran heraus, wohlwissend, wie nervig manche Allüren im wirklichen Leben für die Angehörigen sind. Neben dieser Truppe verblasst die „echte“ Polizei ein wenig. Beide Fälle sind spannend und man knobelt automatisch mit.

Wer witzige Krimis mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Der Fall ist nicht ohne, auch das stellt sich immer mehr heraus. Und am Ende ist man als Leser doch über einige gefühlt zuviele Details vom Anfang froh.

HELDT, D. (2017): Wir sind die Guten, dtv Verlag

Ich bedanke mich für das Leseexemplar beim Verlag!


Bruderlüge

Der  zweite Teil von „Schwesterherz“ beendet die zwei monatige Wartezeit nach dem Cliffhanger und geht genauso skurril weiter. Obwohl die Hauptperson mittlerweile als Hauptverdächtiger in zwei Mordfällen gilt, sucht er weiter nach dem vermissten Mio. Das sich das Ganze zum Ende hin als eine Art Familiengeschichte entpuppen könnte, wird bereits in den ersten Kapiteln klar. Das Wie und Wo bleibt bis zum Schluss verborgen. Weiterlesen


Zeitgemäß: „Vaterland“

Ein alter Roman neu aufgelegt in einer Zeit in der Autokratien wieder modern werden, bedenkt man die Situation in der Türkei oder sogar in den U.S.A. Robert Harris erster Roman bezirzt mit dichter Atmosphäre, klaren Personen und einer Utopie, die einem beim Lesen fast als echt erscheint. Man dankbar ist, dass es eben nur ein Roman ist. Die Utopie: Hitler gewann 1942 den Krieg und Europa entwickelt sich völlig anders als heute. Gelesen habe ich den Titel bereits in den 1990-er Jahren, ihn nochmal jetzt zu lesen, löst nicht nur Schaudern sondern auch ein „hoffentlich passiert so etwas in der Art mit Europa nie“- Gefühl in mir aus.

Ein Krimi und eine Utopie

Im Jahr 1964 feiert Hitler Geburtstag und es passieren merkwürdige Dinge. Die SS ermittelt im gigantischen Berlin, denn die Stadt wurde nach Plänen von Albert Speer rundherum neu bebaut. Die Stadtrundfahrten erscheinen vor dem inneren Auge sehr plastisch. Die Charaktere der Akteure sind blendend heraus gearbeitet, insbesondere die der historischen Personen, und zeigen sehr genau die Repressalien durch eine Autokratie. Die Geschichte ist extrem spannend erzählt.
Auch interessant ist das Nachwort des Autoren zur Neuauflage und zur Ersterscheinung. Denn letztere zog sich den Unmut Großbritanniens vor 25 Jahren zu.

HARRIS, R. (2017/1992): Vaterland, Heyne Verlag

Ich bedanke mich für das Lesesexemplar beim Verlag!


Kuhkatze & Schisserkater: 2 Katzenkrimis von Andrea Schacht

Wenn jemand es schafft mehrere Genres miteinander hervorragend zu verweben, dann ist es Andrea Schacht. In diesem Doppelband befinden sich zwei ältere Titel, die nicht aufeinander aufbauen und dennoch gut zusammenpassen. Es sind Katzenkrimis. Beide spielen in der Vergangenheit, kurz vor der Wende ins 20. Jahrhundert und sind sehr unterschiedlich. Die „Spionin im Kurbad“ spielt in Bad Ems zur Zeit als Kaiser, Zaren und Fürsten samt adligem Fußvolk sich das Solewasser inwendig gönnten. Die Menschen und zwei Katzen stehen im Mittelpunkt. Die Hauptpersonen sind auf Anhieb symphatisch, die vermutlichen Bösewichte schnell herausgefiltert und dennoch gibt es zahlreiche Überraschungen, witzige Wendungen und allerhand zum Miträtseln. Das zwei Katzen mit spionieren und sich so ihre eigenen Gedanken machen, diese sogar „ihren“ Menschen auf die ein oder andere Weise mitteilen können, trägt zum Amüsement gravierend bei. Und ist das Verbindende zu dem zweiten Roman „Pantoufle“. Weiterlesen


Hohes Tier

Ein witziger, hinreichend spannender Krimi, der wie der erste Band „Halbe Miete„, sowohl zum Lachen als auch zum Miträtseln bringt. In diesem zweiten Band ist zwar nicht alles logisch aufeinander aufgebaut, aber irgendwie störte es mich gar nicht. Der Inhalt dreht sich dieses Mal um die Welpenmafia und Tierhaltung von Katzen und Hunden. Das Inselleben beschrieb Nadja Quint gut und sowohl so, dass man sich die Landschaft – selbst, wenn man noch nie dort war – und die Typen, die sie im Buch auftreten lässt, bildlich vorstellen kann. Der Krimi an sich taugt vor allem als Strand- beziehungsweise Urlaubslektüre, etwas seicht und herrlich skurril. Weiterlesen