Psycho: Kalte Sonne

Man merkt gleich auf den ersten Seiten, dass die Wahrnehmung der Hauptakteurin zu verrutschen scheint oder eben tatsächlich etwas nicht stimmt. Es packt einen beim Lesen sofort. Gänsehaut macht sich des Öfteren breit, alleine durch die Wahl der Worte und die gut gesetzten Spannungsbögen. Dabei passiert eigentlich gar nicht viel in diesem Roman und doch möchte man es selbst um Himmels willen selbst nie erleben.

Gruselig zum Einen und zum Anderen geschickt verwickelte Ereignisse, bei denen ich nicht aufhören konnte zu lesen. Was ist wahr, was täuscht? Alle Akteure sind weder gut noch böse, alle haben in ihrer Vergangenheit etwas Düsteres erlebt. Dazu kommen Landschaftsbeschreibungen von der Küste, die zu Beginn der Zugvogelzeit immer mal wieder von Vögeln verdunkelt wird. Dennoch ist das Buch nicht düster. Die Geschichte bietet auch nicht nur Spannung sondern auch einige unlogische Aspekte, allerdings schaden diese dem Roman komischerweise gar nicht.

SVEN KNOCH (2018): Kalte Sonne, Droemer Knaur

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

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Thriller: Blutschatten

Wer die bisherigen Krimis von Kathy Reichs kennt und schätzt, muss sich bei diesem Thriller warm einpacken. Ein völlig anderer Erzählstil, komplett andere Perspektive und Herangehensweise als bei den „Brennan-Romanen“. Dabei bietet die Autorin wie gewohnt einen guten Rahmen, perfekte Spannung (manchmal zu hoch) und viel Tempo von Beginn an. Die Ermittlerin ist neu, traumatisiert, scheut sich nicht zu schießen und arbeitet zügig auf den Punkt. Sie hört auf ihr Bauchgefühl und verlässt sich auf ihre Ahnungen.

Personen werden gut dargestellt und durch den rasanten Erzählstil kommt man gut in die Story hinein. Das Zur-Seite-Legen des Buches fällt schwer. Man sollte es abends nicht anfangen, sonst drohen möglicherweise Alpträume. Perfekt für Eis- und Regentage 🙂

 

Kathy Reichs (2018): Blutschatten, Karl-Blessing-Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Enorm spannend: Deine Seele so schwarz

So unheimlich gut geschrieben, so wunderbar die Wortwahl und so verwickelt-spannend konstruiert. Busch führt ihre Leser öfter in die Irre und lädt immer wieder zum Miträtseln ein. Irgendwie muss der Fall ja zu knacken sein. Selbst, wenn man versehentlich die letzte Seite aufschlägt und ein Element vorab mitbekommt, muss man keine Angst haben: Man hat nicht zuviel erhascht! Die Geschichte dröselt sich zwar langsam ab dem letzten Drittel auf, lose Fäden werden miteinander verbunden, aber die Spannung bleibt bis zuletzt. Ein richtig guter Krimi. Das Hilfsverb „machen“ kommt gefühlt überhaupt nicht vor, die Autorin führt ihren Lesern die an Verben reiche, deutsche Sprache vor. So entstehen zahlreiche Szenen vor dem inneren Auge, man fühlt mit den Protagonisten mit, wundert sich und rätselt weiter.

Vielschichtig behandelt die Geschichte mehrere Fälle, ineinander verschachtelt. Ich fragte mich des Öfteren, welch fantasievolles Hirn so einen grandiosen Krimi sich ausdenken mochte. Ein Hoch auf die Autorin für diesen Lesegenuss!

PETRA BUSCH (2017): Deine Seele so schwarz, Droemer-Knaur Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Spannend: Commissaire Le Floch

Paris zur Zeit Ludwig XV. aus der Sicht der damaligen Polizei und der Aufklärung von Verbrechen. Der Roman ist eine Neuauflage und bereits vor siebzehn Jahren das erste Mal in Frankreich erschienen. Dort gelten die „Le Floch Romane“ zu Recht als Geheimtipp historischer Krimis. Dies ist der erste und Parot lockt mit seiner gute Schreibe von der ersten bis zur letzten Zeile in eine vergangene Welt. Weiterlesen


Weitschweifig: Das verborgene Spiel

Ein Roman der passend zu Shakespeares Dramen wie ein Theaterstück aufgebaut ist: Fünf in Szenen unterteilte Akte denen jeweils ein Prolog voran gestellt ist. Der Prolog führt den Dialog eines gerade entlassenen ehemaligen Studenten und des Polizisten, dem damals die Aufklärung des Mordes oblag, an. Denn der Kommissar glaubt nicht an die Schuld dieses Täters.
Die Akte selbst handeln von der Geschichte dahinter: sieben Studenten, die sich vorrangig mit Shakespeare beschäftigen, miteinander befreundet sind und auch untereinander konkurrieren. In ihre normalen Unterhaltungen fließen ständig Zitate aus Dramen des englischen Autors ein.

Wer „König Lear“, „Macbeth“ oder „Julius Cäsar“ gut im Kopf hat, wird sehr wahrscheinlich eher ein Vergnügen beim Lesen empfinden. Bei mir sind alle drei Stücke schon ein wenig verrostet 😉 und mir gingen die ständigen Zitate in den Dialogen gewaltig auf die Nerven. Dabei ist der Krimi durchaus spannend. Gerät jedoch gerade durch die shakespeareschen Erweiterungen gehörig weitschweifig. Ein wenig Straffung hier und da hätte der Geschichte gut getan. Mir fehlte ein ungestörter Lesefluss mit wenigen Zitaten und mehr Beschreibungen der einzelnen Akteure, um zu verstehen, wer wie warum handelt.

M. L. Rio (2017): Das verborgene Spiel, Penguin Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!