Spannend: Commissaire Le Floch

Paris zur Zeit Ludwig XV. aus der Sicht der damaligen Polizei und der Aufklärung von Verbrechen. Der Roman ist eine Neuauflage und bereits vor siebzehn Jahren das erste Mal in Frankreich erschienen. Dort gelten die „Le Floch Romane“ zu Recht als Geheimtipp historischer Krimis. Dies ist der erste und Parot lockt mit seiner gute Schreibe von der ersten bis zur letzten Zeile in eine vergangene Welt. Weiterlesen

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Weitschweifig: Das verborgene Spiel

Ein Roman der passend zu Shakespeares Dramen wie ein Theaterstück aufgebaut ist: Fünf in Szenen unterteilte Akte denen jeweils ein Prolog voran gestellt ist. Der Prolog führt den Dialog eines gerade entlassenen ehemaligen Studenten und des Polizisten, dem damals die Aufklärung des Mordes oblag, an. Denn der Kommissar glaubt nicht an die Schuld dieses Täters.
Die Akte selbst handeln von der Geschichte dahinter: sieben Studenten, die sich vorrangig mit Shakespeare beschäftigen, miteinander befreundet sind und auch untereinander konkurrieren. In ihre normalen Unterhaltungen fließen ständig Zitate aus Dramen des englischen Autors ein.

Wer „König Lear“, „Macbeth“ oder „Julius Cäsar“ gut im Kopf hat, wird sehr wahrscheinlich eher ein Vergnügen beim Lesen empfinden. Bei mir sind alle drei Stücke schon ein wenig verrostet 😉 und mir gingen die ständigen Zitate in den Dialogen gewaltig auf die Nerven. Dabei ist der Krimi durchaus spannend. Gerät jedoch gerade durch die shakespeareschen Erweiterungen gehörig weitschweifig. Ein wenig Straffung hier und da hätte der Geschichte gut getan. Mir fehlte ein ungestörter Lesefluss mit wenigen Zitaten und mehr Beschreibungen der einzelnen Akteure, um zu verstehen, wer wie warum handelt.

M. L. Rio (2017): Das verborgene Spiel, Penguin Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Amüsant: Der Buchliebhaber

Ein moderner Krimi mit historischen Elementen samt einigenrLängen durch zu detaillierte Beschreibungen, unter anderem der beschriebenen Kathedrale von Barchester. Aber vornehmlich ein historischer Roman mit viel Abenteuerflair, Büchern, Geschichte rund um König Artus und seine Runde sowie einer weiteren Sage. Das Ganze, gut miteinander verquickt, spielt sich weitestgehend in einer Bibliothek ab, die bisher den Zug in die Moderne verpasst hat. Die Moderne ist übrigens das Heute.

Ein verstaubt wirkender Leser und eine quirlige junge Frau mit Hang zur Technik sind die Hauptfiguren. Sie verhalten sich gegensätzlich und ihre Dialoge sind, so wie Charlie Lovett sie angelegt hat, höchst ergötzlich. Ein Schlagabtausch folgt gewitzt dem nächsten, nebenbei kommt der Krimi gut in Gang. Mit Würze und einigen Längen an den Anfängen der Kapitel, die sich allerdings locker überschlagen lassen und dem eigentlichen Roman keinerlei Mißtöne entlocken.

 

LOVETT, C. (2017): Der Buchliebhaber, Goldmann Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Das Mädchen im Eis

Der erste Band einer neuen Krimi-Serie und dann gleich ein Thriller – nichts, um abends vor dem Einschlafen noch einige Seiten zu lesen. Obwohl die Geschichte ziemlich verhalten angegangen wird, gibts genügend richtig spannende Spannungsbögen. Dazu eine Hauptfigur mit ausbaufähigem, etwas speziellem Hintergrund. Sie eckt an, ist impulsiv und selten berechenbar. Ich fand sie irgendwie liebenswert in ihrer Kantigkeit. Dazu gibt es viele zwischenmenschliche Begegnungen während der Fall gelöst wird, viele Details, die auch im realen Leben so sind beziehungsweise die man so von außen über die Medien mitbekommt. Etwas mehr Nervenkitzel und länger anhaltende Spannung hätten dem Roman gut getan. Aber er ist ein solider und unterhaltsamer Krimi. Kurze Kapitel und ein flüssiger Schreibstil mit manchmal ungeahnten Höhenflügen, so, als ob der Autor sich nur nicht getraut hätte noch mehr thrill hinzuzufügen. Das Ende kommt recht überraschend und plötzlich – jedenfalls gefühlt. Denn im letzten Drittel kommt etliches auf einmal ins Rollen.

Ein gut zu lesender Krimi, der Lust auf mehr Titel macht.

BRYNDZA, R. (2017): Das Mädchen im Eis, Penguin Verlag

Ich bedanke mich für das Leseexemplar!

 


Wir sind die Guten

Was zu Beginn etwas verwirrend und langatmig wirkt, entpuppt sich spätestens nach drei Kapiteln als vergnügliche Geschichte und ab dem zweiten Viertel als handfester Krimi. Verwirrend sind vor allem die vielen Namen und Details, die Heldt ihren Lesern am Anfang zumutet. Nicht alle sind wirklich nötig, um die Geschichte zu begreifen. Das Durchhalten lohnt sich jedoch. Denn der Krimi entpuppt sich so nach und nach. Vergnügen und gelegentliche Lacher inbegriffen, denn die rüstige Rentnergruppe besteht aus Akteuren, wie man sie in vielen Familien findet. Die Autorin arbeitete das Witzige daran heraus, wohlwissend, wie nervig manche Allüren im wirklichen Leben für die Angehörigen sind. Neben dieser Truppe verblasst die „echte“ Polizei ein wenig. Beide Fälle sind spannend und man knobelt automatisch mit.

Wer witzige Krimis mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Der Fall ist nicht ohne, auch das stellt sich immer mehr heraus. Und am Ende ist man als Leser doch über einige gefühlt zuviele Details vom Anfang froh.

HELDT, D. (2017): Wir sind die Guten, dtv Verlag

Ich bedanke mich für das Leseexemplar beim Verlag!