Vielschichtig: Die Farbe von Winterkirschen

Eine tragische Familiengeschichte im fernen Japan, eingebettet in die Gegenwart und das atomare Trauma Hiroshimas. Anderes Denken, andere Kultur und damit teils völlig andere Werte und Weltanschauungen als in Europa. Die Autorin hilft ihren Lesern die japanische Handlungs- und Denkweise ihrer Figuren zu verstehen: Jedes Kapitel enthält einen kurzen Prolog dazu und man tut gut daran diesen jeweils zu lesen. Es ist kein leicht zu lesendes Buch, aber eins, dass sich meiner Meinung nach zu lesen lohnt! Weiterlesen

Advertisements


Auftakt: Das Gutshaus – glanzvolle Zeiten

Wie schon die Saga um die Dynastie der Bewohner der „Tuchvilla“ ist auch dieses Buch der Auftakt zu einer neuen Serie von Anna Jacobs. Zwei Erzählstränge lotsen den Leser durch die Wirren der 1940-er und 1990-er Jahre. Einmal durch den Verlust des Gutes, einmal durch die Wiedererlangung des alten Besitzes durch die Erben nach dem Mauerfall. Was erstmal nicht so glücklich gewählt klingt, wirkt sich beim Lesen deutlich harmonischer aus. Denn Anne Jacobs zeigt die Parallelen beider Zeiten auf und darüber hinaus lässt sie ihre Figuren in die Tiefe gehen.

Ja, ein tiefgründiger Unterhaltungsroman, einer bei dem man als Leser etwas lernen kann. Solche Romane sind mir die Liebsten, nicht nur spannend und gut geschrieben sondern auch etwas zum geistigen Mitnehmen und Wiederverwerten dabei. Ein belletristisches Überraschungsei sozusagen, ein richtig guter Schmöker!

JACOBS, A. (2017): Das Gutshaus – glanzvolle Zeiten, Bd. 1, blanvalet Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!


Amüsant: Der Buchliebhaber

Ein moderner Krimi mit historischen Elementen samt einigenrLängen durch zu detaillierte Beschreibungen, unter anderem der beschriebenen Kathedrale von Barchester. Aber vornehmlich ein historischer Roman mit viel Abenteuerflair, Büchern, Geschichte rund um König Artus und seine Runde sowie einer weiteren Sage. Das Ganze, gut miteinander verquickt, spielt sich weitestgehend in einer Bibliothek ab, die bisher den Zug in die Moderne verpasst hat. Die Moderne ist übrigens das Heute.

Ein verstaubt wirkender Leser und eine quirlige junge Frau mit Hang zur Technik sind die Hauptfiguren. Sie verhalten sich gegensätzlich und ihre Dialoge sind, so wie Charlie Lovett sie angelegt hat, höchst ergötzlich. Ein Schlagabtausch folgt gewitzt dem nächsten, nebenbei kommt der Krimi gut in Gang. Mit Würze und einigen Längen an den Anfängen der Kapitel, die sich allerdings locker überschlagen lassen und dem eigentlichen Roman keinerlei Mißtöne entlocken.

 

LOVETT, C. (2017): Der Buchliebhaber, Goldmann Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!


Wie der Wind und das Meer

Eine kleine Notlüge am Anfang setzt ein ganzes Kartenhaus in Gang. Und zerstört fast zwei Leben am Ende. Dieser Streifzug durch die deutsche Geschichte unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg ist ungemein spannend und anschaulich erzählt. Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und die Entwicklungen der 1960-er Jahre besonders um Münschen herum gewirt. So entspinnt sich aus der Notlüge ein Faden, der zusammen mit den Einflüssen der handelnden Figuren, der gesellschaftlichen Zwänge und des Chaos ein ganz spezielles Netz spinnt. Eins, dass wie ein Spinnennetz klebt. Etwas bleibt immer zurück und etwas haftet weiter an den lügenden Personen. Die im Übrigen so gearbeitet sind, dass man automatisch mit ihnen mitfühlt und das Beste für sie erhofft. Weiterlesen


Das weiße Feld

Drei Frauen einer Familie, die allesamt unehelich geboren wurden und sich jede auf ihre Art durchs Leben schlagen. Von der Großstadt aufs mährische Dorf verschlug es die Großmutter. Von Apparatschiks, Rebellen, politischen Umwälzungen in der Zeit zwischen Erstem Weltkrieg und dem Fall der Mauer handelt dieser Roman ebenso wie von den Vorurteilen der Nachbarn und Gesellschaft. Weiterlesen