Abenteuer: Die Gabe des Himmels

Auch der vierte Roman rund um St. Jacques-des-Varennes und die Familie Fleury ist eine Wucht. Anschaulich und spannend geht es jetzt im 13. Jahrhundert weiter, man erlebt die Auswirkungen der Pest samt Flagellanten und Antisemitismus ebenso lebendig mit wie den oft haarsträubenden Aberglauben. Fiese Bösewichte und liebenswerte Haudegen sind ebenso mit von der Partie als auch gut eingeflochtene historische Zusammenhänge. Dazu eine gute Geschichte, ein Sofa oder Liegestuhl in der Sonne, und dem Schmökern steht nichts im Weg.

Wolf hat gut recherchiert und beschreibt das öffentliche Leben um 1346 in einer mittelalterlichen Stadt hervorragend: wie die Zünfte sich organisierten, wie das Rechtswesen funktionierte, den Unterschied zwischen akademischen Doktor und handwerklichem Chirurg ebenso wie das jüdische Leben im Getto. Hochspannend und kein bisschen langweilig vermengt Wolf seine Zutaten und lässt über 900 Seiten Schmöker entstehen.

Daniel Wolf (2018): Die Gabe des Himmels, Goldmann Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

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Das Haus der Seidenblüten

Ein historischer Roman zur Zeit, als die Hugenotten in Frankfreich verfolgt wurden. Die Geschichte spielt in London und zeigt die Probleme der geflohenen Seidenweber in England auf. Das betrifft sowohl Ressentiments gegen Franzosen in England im Allgemeinen als  in einer Zeit als die Gesellschaft sich im Umbruch befindet. Tuchhändler versuchen Zölle zu umgehen, Moden wechseln, Seidenweber sind gefragt, leben dennoch in prekären Verhältnissen und die Monarchie erhält gerade frischen Wind aus Deutschland. Vieles davon vermischt die Autorin in ihrer Geschichte und zeigt die Besonderheiten dieser Lebenswelten in London auf.

Liz Trenow hat nicht nur gut recherchiert und geschichtliche Ereignisse eingebunden, sie flocht eine zarte Liebesgeschichte um eine Webergesellen und eine höher gestellte Dame ein. Letztere wiederum gehen die gesellschaftlichen Bestimmung an die Damenwelt gehörig auf die Nerven, wodurch sich so manch amüsante Episode gestaltet. Ich fand die Geschichte an sich sehr lebendig, auch wenn einige Handlungen etwas lange vor sich hin plätschern.

Etwas mehr Spannung und ein weniger schnelles Ende hätten dem Roman gut getan. Dennoch ist er gut geschrieben und lieferte Ablenkung für einen angenehmen Nachmittag!

LIZ TRENOW (2018): Das Haus der Seidenblüten, Blanvalet Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!


Brisant: Die geliehene Schuld

Grandios – unbedingt lesenswert für alle, die eine gute Schreibe und Familiengeschichten mit historischen Zusammenhängen mögen! Claire Winter schrieb auch dieses Mal einen Schmöker und zwar einen der es in sich hat. Eine Portion Liebe, eine Prise Herzschmerz, einen guten Schuss Spannung und gute Recherche ergibt gut gerührt dieses Buch: Weiterlesen


Gute Sofa-Lektüre: Die Blütentöchter

Ein historischer Roman, ein langer Nachmittag, ein Sofa – in einem Rutsch geschmökert und bestens unterhalten worden! Die Geschichte spielt im 13. Jahrhundert, ist total erfunden, nimmt allerdings einige wahre Begebenheiten als Rahmenhandlung auf. Die „Guten“ und die „Bösen“ sind klar definiert, es gibt einen klaren Handlungsrahmen und gut gesetzte Spannungsbögen. Drei, manchmal auch vier Erzählstränge wechseln sich unkompliziert ab und füttern das Leserhirn mit inneren Bildern, bringen es zum mitfiebern.

Kurz: unterhaltsam ohne historisch zu sehr in die Tiefe zu gehen mit einer sehr speziellen Geschichte, die ich so oder so ähnlich noch in keinem Buch las. Bei Minus zwölf Grad Außentemperatur und stechend-kaltem Ostwind bot dieses Buch eine wunderbare Zuflucht.

Joël Tan (2018): Die Blütentöchter, Blanvalet Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!


Ungewöhnlich: Der Samurai von Sevilla

Ich fand den historischen Roman sehr spannend, unter anderem aus dem Aspekt etwas Neues zu lernen. Das die Stadt Sendai im Mittelalter eine Delegation aus Samurai, japanischen Händlern und Missionaren ausgerechnet ins damals erzkatholische Spanien entsandte, war mir völlig neu. Wie es dazu kam und das einige Japaner sich dazu entschlossen in Spanien zu bleiben oder auch zwischen Japan und Sevilla weiterhin zu reisen, das erzählt John Healey anschaulich.

Eine Liebesgeschichte fehlt ebenso wenig wie gute Landschafts- und interkulturelle Erlebnisbeschreibungen. Das fängt bereits auf dem Schiff und mit den Strapazen der Reise an. Intrigen werden vielfach gesponnen, sowohl auf der Reise als auch in Spanien. Spannend sind auch die verschiedenen Herangehensweisen an die unterschiedlichen Kulturen sowohl seitens der japanischen als auch der spanischen Akteure sowie philosophische Gespräche und Ansichten. Zwei Welten prallen aufeinander und manch einer fühlt sich davon angezogen. Auch die Figuren sind keine reinen Typen, wie fast in jedem Roman. Einige sind Charaktere, sie begreifen, verändern ihre Haltung und „verhalten“ sich so, dass man sich direkt in ihre Denk- und Handlungsweise hineinversetzen kann.

Wer sich für historische Zusammenhänge und eher sachliche Ansichten erwärmen kann, wird in diesem Roman viel Interessantes auf gute Weise spannend lesen können! Für mich war es ein 1a-Schmöker 🙂

John J. Healey (2018): Der Samurai von Sevilla, Heyne

Beziehung Sevilla-Sendai (externer Link)