Das Schiff der Träume

Der kitschige Titel mit dem romantischen Titelbild bereitet so gar nicht auf eine spannende, abenteuerliche Geschichte mit historischem Lokalkolorit vor. Die Hauptperson ist zu Beginn ein graues Mäuschen im Schatten der großen Cousine und muss nach einem speziellen Ereignis plötzlich auf eigenen Füßen stehen. Beschrieben wird vor allem, wie sie sich behaupten muss und es auf ihre besonderes, leicht an autistisches Verhalten erinnernd, dann auch tut. Sie fügt sich in eine ihr ziemlich neue Welt ein, wird gefördert und akzeptiert, so, wie sie ist. Hinzu kommen die Spannungen zwischen den Nord- und Südstaaten der U.S.A. kurz vor Beginn des Bürgerkriegs.

Martha Conway ist bisher eher für ihre Kurzgeschichten bekannt. In diesem Roman beschreibt sie nicht nur Typen sondern sich wandelnde Charaktere, die man mag oder auch nicht. Der Lesefluss wird nie gestört, alle Geschehnisse passen gut zusammen und es bleibt immer genügend Spannung, um das Buch nicht zur Seite legen zu wollen. Ein wunderbarer Schmöker!

CONWAY, M. (2017): Das Schiff der Träume, Goldmann Verlag

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Marlenes Geheimnis

Brigitte Riebe ist promovierte Historikerin und man merkt vielen ihrer Titel an, dass sie Hintergründe zu ihren Geschichten sehr genau recherchiert. So auch hier: Krieg und Vertreibung, Liebe in unsteter Zeit, vor über 70 Jahren und heute. Dinge, die Kinder sehen, die niemand egal welchen Alters sehen will und sollte. Dazu zwei ungeheuer gut verfasste Erzählstränge über Großmutter und Enkelin. Denn was erstere erlebte, greift noch in die übernächste Generation über. Viel wird erzählt über große Not, Mut zu handeln, humanitäre Hilfe untereinander, dem Drang manches unter den sprichwörtlichen Teppich zu kehren und dadurch eine andere Art von Elend und Missverständnissen auszulösen.

Sehr, sehr lesenswert! Gerade, aber nicht nur, in Zeiten wie diesen.

RIEBE, B. (2017): Marlenes Geheimnis, Diana Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 


Möge die Stunde kommen

Auch der sechste Band der Clifton-Saga schließt sich nahtlos an die vorherige Geschichte an. Ich habe sicherheitshalber den fünften Band noch einmal gelesen, er endete mit einem Cliffhanger. Dieses Buch ist übrigens auch noch nicht das letzte, zu viele Fäden bleiben am Ende unverknotet 🙂 Jeffrey Archer enttäuscht seine „Clifton-Leser“ nicht. Der Roman nimmt – auch wie gewohnt – schnell die losen Fäden wieder auf, Spannungsbögen sind wohl gesetzt und es kommt niemals Langeweile auf. Nach zwei Tagen hatte ich das Buch ausgelesen und bin schon wieder gespannt auf den nächsten Band. Immerhin gibt es dieses Mal keinen derartig fiesen Hänger.

Archer wartet mit vielen Dramen auf, viel Spannung, viel Liebe und familiären Zusammenhalt – das alles auf mehreren Ebenen in zwei Erzählsträngen, die sich locker immer wieder abwechseln. Neue Intrigen und alte Bekannte tauchen auf, werden gut in die Geschichte eingeflochten. Wunderbar dicht geschrieben.

ARCHER, J. (2017): Möge die Stunde kommen, Heyne Verlag


Wir sehen alle denselben Mond

Biggi Mestmäcker engagiert sich für Geflüchtete und hat im letzten Jahr mit viel Herzblut dafür gesorgt, dass Frau und Sohn eines befreundeten Syrers nachziehen konnten. Der Bericht ist beileibe nicht rührselig geschrieben, aber er rührt an. Die professionelle Texterin dokumentierte ihre Mitwirkung, und wie die Zusammenführung sich abspielte. detailliert und sachlich. Dennoch mit der richtigen Distanz. Alleine diese Leistung finde ich bewundernswert.

Dokumentation über eine schicksalsbedingte Krise

Ihr Bericht schildert eine unglaubliche Geschichte. Ich denke, die meisten Menschen, die in friedlichen Ländern leben, können sich nicht vorstellen, was es bedeutet, eine Familie in Kriegszeiten zusammenzuführen. Genau dies hat Mestmäcker gegen viele Widrigkeiten geschafft. Wer die „Flüchtlingskrise“ verstehen möchte – vor allem aus Sicht von jemanden, der wirklich eine Krise als Geflüchteter erlebt und Angst um seine in der Heimat gebliebene Familie hatte, sollte dieses Buch lesen. Es liest sich schnell durch, denn man kann es gar nicht zur Seite legen. So abenteuerlich und ehrlich ist es verfasst.
Und beim Lesen musste ich an Geschichten von einigen Verwandten denken, die den zweiten Weltkrieg auf dem Land erlebten. Auch sie erzählten ähnliche Geschichten, die sich während des Krieges und noch bis in die Mitte der 1950-er Jahre zutrugen. So lange ist das noch nicht her. Hierzulande denken wir an Flüchtlingskrise, weil so viele – gefühlt viele – Menschen aus tatsächlichen Krisengebieten nach Deutschland flüchten und einige Einwohner mit ihren Verhaltensweisen oder sogar ihrer Hautfarbe aus ihrer Komfortzone reißen. Die eigentliche Krise ist woanders und zieht viele schicksalsbedingte Krisen hinter sich her.

Herausgekommen ist ein Buch in deutscher und arabischer Sprache, ordentlich lektoriert und zweisprachig. Denn das Thema Familienzusammenführung dürfte viele interessieren, deren Deutsch noch nicht ausgereift genug ist, ein ganzes Buch lockerleicht mal eben schnell zu lesen.

MESTMÄCKER, B. (2017): Wir sehen alle denselben Mond, gegen alle Widerstände Familiennachzug aus Syrien, ein Bericht, tredition Verlag
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Das Erdbeermädchen

Ein Roman rund um Edvard Munch und ein Dienstmädchen – erzählt wird ein Sommer am Fjord. In diesem Sommer malt der im Roman eher blass und am Rande des Geschehens dargestellte Munch unter anderem sein Gemälde „Der Schrei“. Vorrangig wird erzählt, wie die Dorfbewohner ihn und andere Maler wahrnehmen, die den Sommer bei ihnen verbringen. Mehr erfährt man aus der Perspektive der Dienstmagd Johanne, die selbst lernt den Pinsel zu schwingen und sich zur Malerei von Munch hingezogen fühlt und ihn mit anderen Augen sieht. Weiterlesen