Das Schiff der Träume

Der kitschige Titel mit dem romantischen Titelbild bereitet so gar nicht auf eine spannende, abenteuerliche Geschichte mit historischem Lokalkolorit vor. Die Hauptperson ist zu Beginn ein graues Mäuschen im Schatten der großen Cousine und muss nach einem speziellen Ereignis plötzlich auf eigenen Füßen stehen. Beschrieben wird vor allem, wie sie sich behaupten muss und es auf ihre besonderes, leicht an autistisches Verhalten erinnernd, dann auch tut. Sie fügt sich in eine ihr ziemlich neue Welt ein, wird gefördert und akzeptiert, so, wie sie ist. Hinzu kommen die Spannungen zwischen den Nord- und Südstaaten der U.S.A. kurz vor Beginn des Bürgerkriegs.

Martha Conway ist bisher eher für ihre Kurzgeschichten bekannt. In diesem Roman beschreibt sie nicht nur Typen sondern sich wandelnde Charaktere, die man mag oder auch nicht. Der Lesefluss wird nie gestört, alle Geschehnisse passen gut zusammen und es bleibt immer genügend Spannung, um das Buch nicht zur Seite legen zu wollen. Ein wunderbarer Schmöker!

CONWAY, M. (2017): Das Schiff der Träume, Goldmann Verlag

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Das Mädchen im Eis

Der erste Band einer neuen Krimi-Serie und dann gleich ein Thriller – nichts, um abends vor dem Einschlafen noch einige Seiten zu lesen. Obwohl die Geschichte ziemlich verhalten angegangen wird, gibts genügend richtig spannende Spannungsbögen. Dazu eine Hauptfigur mit ausbaufähigem, etwas speziellem Hintergrund. Sie eckt an, ist impulsiv und selten berechenbar. Ich fand sie irgendwie liebenswert in ihrer Kantigkeit. Dazu gibt es viele zwischenmenschliche Begegnungen während der Fall gelöst wird, viele Details, die auch im realen Leben so sind beziehungsweise die man so von außen über die Medien mitbekommt. Etwas mehr Nervenkitzel und länger anhaltende Spannung hätten dem Roman gut getan. Aber er ist ein solider und unterhaltsamer Krimi. Kurze Kapitel und ein flüssiger Schreibstil mit manchmal ungeahnten Höhenflügen, so, als ob der Autor sich nur nicht getraut hätte noch mehr thrill hinzuzufügen. Das Ende kommt recht überraschend und plötzlich – jedenfalls gefühlt. Denn im letzten Drittel kommt etliches auf einmal ins Rollen.

Ein gut zu lesender Krimi, der Lust auf mehr Titel macht.

BRYNDZA, R. (2017): Das Mädchen im Eis, Penguin Verlag

Ich bedanke mich für das Leseexemplar!

 


Acht Berge

Zwei Familien, zwei Jungs, zwei Lebensstile und ein Dorf im Aosta-Tal, dazu viel Berge, Natur drumherum. Eine Freundschaft, die zwischen zwei Jungs – einem Hirtenjungen und einem Ferienkind aus der Stadt – entsteht und über Jahrzehnte anhält. Mit zwei völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen, Auffassungen von Natur und anderem, die später als Erwachsene kaum gegensätzlicher sein können. Weiterlesen


Möge die Stunde kommen

Auch der sechste Band der Clifton-Saga schließt sich nahtlos an die vorherige Geschichte an. Ich habe sicherheitshalber den fünften Band noch einmal gelesen, er endete mit einem Cliffhanger. Dieses Buch ist übrigens auch noch nicht das letzte, zu viele Fäden bleiben am Ende unverknotet 🙂 Jeffrey Archer enttäuscht seine „Clifton-Leser“ nicht. Der Roman nimmt – auch wie gewohnt – schnell die losen Fäden wieder auf, Spannungsbögen sind wohl gesetzt und es kommt niemals Langeweile auf. Nach zwei Tagen hatte ich das Buch ausgelesen und bin schon wieder gespannt auf den nächsten Band. Immerhin gibt es dieses Mal keinen derartig fiesen Hänger.

Archer wartet mit vielen Dramen auf, viel Spannung, viel Liebe und familiären Zusammenhalt – das alles auf mehreren Ebenen in zwei Erzählsträngen, die sich locker immer wieder abwechseln. Neue Intrigen und alte Bekannte tauchen auf, werden gut in die Geschichte eingeflochten. Wunderbar dicht geschrieben.

ARCHER, J. (2017): Möge die Stunde kommen, Heyne Verlag


Wir sehen alle denselben Mond

Biggi Mestmäcker engagiert sich für Geflüchtete und hat im letzten Jahr mit viel Herzblut dafür gesorgt, dass Frau und Sohn eines befreundeten Syrers nachziehen konnten. Der Bericht ist beileibe nicht rührselig geschrieben, aber er rührt an. Die professionelle Texterin dokumentierte ihre Mitwirkung, und wie die Zusammenführung sich abspielte. detailliert und sachlich. Dennoch mit der richtigen Distanz. Alleine diese Leistung finde ich bewundernswert.

Dokumentation über eine schicksalsbedingte Krise

Ihr Bericht schildert eine unglaubliche Geschichte. Ich denke, die meisten Menschen, die in friedlichen Ländern leben, können sich nicht vorstellen, was es bedeutet, eine Familie in Kriegszeiten zusammenzuführen. Genau dies hat Mestmäcker gegen viele Widrigkeiten geschafft. Wer die „Flüchtlingskrise“ verstehen möchte – vor allem aus Sicht von jemanden, der wirklich eine Krise als Geflüchteter erlebt und Angst um seine in der Heimat gebliebene Familie hatte, sollte dieses Buch lesen. Es liest sich schnell durch, denn man kann es gar nicht zur Seite legen. So abenteuerlich und ehrlich ist es verfasst.
Und beim Lesen musste ich an Geschichten von einigen Verwandten denken, die den zweiten Weltkrieg auf dem Land erlebten. Auch sie erzählten ähnliche Geschichten, die sich während des Krieges und noch bis in die Mitte der 1950-er Jahre zutrugen. So lange ist das noch nicht her. Hierzulande denken wir an Flüchtlingskrise, weil so viele – gefühlt viele – Menschen aus tatsächlichen Krisengebieten nach Deutschland flüchten und einige Einwohner mit ihren Verhaltensweisen oder sogar ihrer Hautfarbe aus ihrer Komfortzone reißen. Die eigentliche Krise ist woanders und zieht viele schicksalsbedingte Krisen hinter sich her.

Herausgekommen ist ein Buch in deutscher und arabischer Sprache, ordentlich lektoriert und zweisprachig. Denn das Thema Familienzusammenführung dürfte viele interessieren, deren Deutsch noch nicht ausgereift genug ist, ein ganzes Buch lockerleicht mal eben schnell zu lesen.

MESTMÄCKER, B. (2017): Wir sehen alle denselben Mond, gegen alle Widerstände Familiennachzug aus Syrien, ein Bericht, tredition Verlag
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