Understatement – Vom Vergnügen unterschätzt zu werden

noellkeWer auf Rücksicht, Taktgefühl und Versöhnlichkeit sich selbst und anderen gegenüber setze, dem seien nicht nur mehr Sympathien sicher, der könne auch im richtigen Moment punkten. Understatement sei die einzig angemessene Art, entspannt mit Stil und Würde durchs Leben zu gehen – es setze nur voraus, eine hohe Meinung von sich zu haben. Matthias Nöllkes neues Buch vergnügt beim Lesen und bei allen, die lieber erst denken, dann handeln oder sprechen und Dinge differenziert betrachten. Es ist gut geschrieben, verständlich und nimmt die Stärke unperfekt zu sein aufs Korn:Unterhaltsam verfasst, drehen sich die Kapitel logisch aufgebaut rund um die Kunst der vornehmen Zurückhaltung und der dazu gehörigen Psychologie, um Berufliches und Privates, um Kleidung und innere Haltung, darum Freunde nicht zu überfordern und als Bonus gibts noch ein kleines Programm obendrauf. Vergnüglich ist dieses Buch allemal und geht als Lese-Fortbildung ohne Weiteres durch.

Nöllke erinnert an die bildungsbürgerliche Tugend, sich selbst Grenzen zu setzen und diese zu achten. In einer Zeit, in der Selfies und Parolen wie „Du kannst alles erreichen, Du musst nur richtig motiviert sein“ mehr Geltung erfahren als bodenständiges. Leise Ironie durchzieht dieses Buch, auch dies lässt mich manchmal leise glucksend weiterlesen.

Es ist ein Buch zum Durcharbeiten und an sich arbeiten, will man selbst Understatement zeigen und vor allem leben. Bei manchen Beispielen fällt mir die alte Serie „Das Haus am Eaton Place“ ein und die Synapsen klackern.

NÖLLKE, M. (2016): Understatement, vom Vergnügen unterschätzt zu werden, Herder Verlag

Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

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Autor: Silke Bicker

Als wissbegierige Leseratte schmökere ich vorwiegend in spannenden und unterhaltsamen Romanen. Mag auch Sachbücher über Landschaftsnutzung und Geschichte gerne! Was ich hauptberuflich anbiete, lesen Sie unter https://www.erdhaftig.de

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