Die fernen Tage

Die ersten zweihundert Seiten sind leicht zu lesen und wunderbar, man möchte in der Geschichte versinken. Die elfjährige Lucy und ihre Gouvernante, die Suche Howard Carter´s nach dem Grab Tutenamuns, Fahrten zwischen Kairo und dem Tal der Könige, die Freundschaft zu der neunjährigen, altklugen Frances fesseln den Leser. Zwischendrin merkt man, dass diese Zeit um 1922 in Ägypten, New York und Paris eine Rückblende ist. Denn zwischendrin gibt es Shortcuts aus dem Leben der fast neunzigjährigen Lucy von heute.

Die verzwickte Beziehung zwischen den historischen und fiktiven Charakteren gibt einen Hauch des politischen Klimas zur Zeit des britischen Protektorats und gleichzeitig die Verschnupftheit ägyptischer Behörden über die Verschiffung kostbarer Fundstücke nach merry old London wider.
Allerdings wird die Geschichte spätestens ab der Buchmitte zäh und langweilig, als ob jemand die Luft aus einem Reifen gelassen hätte. Auch frage ich mich, ob die hiesigen Lektoren das Buch überhaupt selbst lasen, denn die Inhaltsangabe sagt etwas über eine Liebesgeschichte aus und das Cover deutet eher auf eine zuckersüße Romanze hin. Beides findet sich in diesem Titel nicht. Zwar heiratete Lucy drei Mal, aber das wird nur am Rande erwähnt ebenso wie man gleich zu Beginn von der alten Dame erfährt, dass sie alle drei auch beerdigte.
Das Ende ist enttäuschend.

BEAUMAN, S. (2015): Die fernen Tage, Goldmann Verlag
Ich bedanke mich beim Verlag für das Leseexemplar!

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Autor: Silke Bicker

Als wissbegierige Leseratte schmökere ich vorwiegend in spannenden und unterhaltsamen Romanen. Mag auch Sachbücher über Landschaftsnutzung und Geschichte gerne! Was ich hauptberuflich anbiete, lesen Sie unter https://www.erdhaftig.de

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