Das Lachen und der Tod

414-x2bPBkL._SX313_BO1,204,203,200_Der niederländische Journalist Pieter Webeling interviewte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Menschen, die Hitlers Konzentrationslager überlebten. In der vorliegenden Ich-Erzählung lässt er seine halbjüdische Hauptfigur Ernst Hoffmann aus Amsterdam eindringlich sachlich mit starken Bildern zu Wort kommen. Von Beruf Komiker lebt er für den Applaus und vom Vergnügen der Zuschauer, „ein Lacher pro Tag“ ist seine Devise. Sein Vater kam psychisch geschädigt als Soldat aus dem 1. Weltkrieg zurück (für Deutschland im Feld gewesen), seine Mutter war Jüdin und er machte die NSDAP mit politischen Witzen auf sich aufmerksam. So sehr, dass er sich in einem Viehwaggon auf dem Weg in ein Lager wiederfand. Dort angekommen erlebte er die industrielle Massenvernichtung von Menschen und hält sich mit Vorstellungen vor der SS über Wasser. Als Insasse des Sonderkommandos für Künstler muss er statt körperlich schwerer Arbeit nun Neuankömmlinge mit Witzen zum Lachen bringen, denen die direkte Vernichtung in den „Duschen“ durch Vergasung bevorsteht…

Die Sprache ist bildhaft, so sehr, dass man sich während des Lesens vor Ort wähnt. Der Inhalt handelt größtenteils vom Überleben und dessen geringe Chancen in einem KZ irgendwo in Polen. Das Buch ist klar und gut geschrieben, hervorragend übersetzt. Es ist eindeutig ein Roman für Erwachsene gegen das Vergessen. Denn die Überlebenden der Konzentrationslager sterben altersbedingt allmählich aus.

WBELING, P. (2015): Das Lachen und der Tod, Heyne Verlag

 

Advertisements

Autor: Silke Bicker

Als wissbegierige Leseratte schmökere ich vorwiegend in spannenden und unterhaltsamen Romanen. Mag auch Sachbücher über Landschaftsnutzung und Geschichte gerne! Was ich hauptberuflich anbiete, lesen Sie unter https://www.erdhaftig.de

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.