Tausendundein Granatapfelkern

51hX0MXUXQL._SX331_BO1,204,203,200_Es ist kein schwer zu lesendes Buch, aber auch keine seichte Lektüre. Es handelt von einer iranischen Familie zwischen 1979 und 1996, die von Teheran nach der islamischen Revolution nach New York auswanderte. Anhand der jüngsten Tochter, die an einer Elite-Universität BWL studiert obwohl sie sich lieber dem künstlerischen Malen widmen würde und der guten Beziehung zur Mutter wird der Spagat zwischen den Kulturen aufgezeigt. Der Vater hielt sich anfänglich als Pizzabäcker in der Neuen Welt über Wasser statt als Arzt im Krankenhaus. Die Mutter ist ein mathematisches Genie, eine versierte Köchin und lebt die persischen Traditionen. Letztere sorgen bei der Tochter des Öfteren für Unmut, besonders dann, wenn sie nach altem Brauch verkuppelt werden soll.

Iranisch oder amerikanisch? Iranikanisch? Leere und Kompensation?

Irgendwann steht die Tochter vor der Entscheidung: weiter Betriebswirtschaft studieren oder endlich Kunst? Und da sie sich sehr nach der Heimat sehnt, löst sie ein Hin- und Rückflugticket nach Teheran. Ihre Mutter schließt sich der Reise an. Und alles wird anders als gedacht. Denn nach fünfzehn Jahren im US-amerikanischen Ausland lebend ist die Tochter sowohl dort als auch im Iran eine Außenseiterin. Sie trifft alte Freundinnen und Verwandte wieder, nimmt Fäden auf und merkt wie sonderbar die islamische Welt ist: nach außen kuschen die Frauen damit die Sittenwächter nicht aufmerksam werden. Abends sind sie zu Parties geladen, an denen leicht bekleidet zu westlicher Musik getanzt wird. Feste, an denen sich wie vor der Revolution Männer und Frauen anfassen, anlächeln und angucken dürfen. Außerhalb der geschützten Privaträume würden sie dafür im Gefängnis landen.

Es ist eine vielschichtige Lektüre bei der Leser Einblicke in das Leben iranischer Migranten erhalten und ab der zweiten Hälfte des Romans in das Leben der Frauen im Iran. Welches sich bis heute noch nicht wesentlich änderte. Ebenso lernt man viel über die iranische Art Essen zuzubereiten und Kultur.

KAMALI, M. (2015): Tausendundein Granatapfelkern, Diana Verlag

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Autor: Silke Bicker

Als wissbegierige Leseratte schmökere ich vorwiegend in spannenden und unterhaltsamen Romanen. Mag auch Sachbücher über Landschaftsnutzung und Geschichte gerne! Was ich hauptberuflich anbiete, lesen Sie unter https://www.erdhaftig.de

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